Donnerstag, 14. März 2013

Das Genie beherrscht das Chaos

Wenn ich mir meine allgemeine, intuitive Vorgehensweise in vielem betrachte, scheint das eines meiner Leitmotive zu sein. Egal, ob es sich um meine Büchersammlung handelt, um für andere unsichtbare Ordnungsprinzipien im Alltag oder um die Verwaltung von Informationen.

Bei all dem beschränke ich mich auf das Maß an Ordnung, welches notwendig ist, um vernünftig arbeiten zu können und wichtige Dinge mit nicht allzu großem Zeitaufwand wiederzufinden. Von einem äußerlichen Ordnungswahn hingegen habe ich mich noch nie anstecken lassen. Mir genügt es, ein Maß an Ordnung zu schaffen, mit dem ich mich persönlich wohlfühle. Penible Ordnung hingegen würde mich im kreativen Sinne wohl eher einschränken oder zumindest subjektiv zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ich scheine also eher so zu ticken, dass ich genug Raum für Ungeplantes und Spontanes brauche. Zu viel Planung würde mich hingegen sprichwörtlich in ein Korsett zwingen, dass spontane Entwicklungen oder Ideen zuschnüren könnte. So könnte ich mich und meine Ideen offenbar nicht ausreichend entfalten.

Was mir hilft, auch bei einer nach außen hin "chaotischen" Arbeitsweise den Überblick bzw. meine Ziele vor Augen zu behalten:
  • Listen (z. B. To-do-Listen) erstellen
  • Notizzettel, auf denen ich Wichtiges Anstehende notiere
  • Prioritäten setzen: Was muss oder möchte ich bis wann getan haben? Was ist wirklich wichtig?
  • Reihenfolge zu erledigender Dinge je nach Priorität festlegen: Was steht zuerst an, was hat noch Zeit?
  • Realistische Deadlines: Wenn etwas nicht termingebunden ist, wird es sonst eher aufgeschoben. Gerade dann ist es hilfreich, sich selbst gemäß der eigenen für eine Sache zur Verfügung stehenden Zeit Fristen zu setzen.
  • Schritt für Schritt vorgehen: Umfassendere Projekte in sinnvolle Zwischenschritte einteilen und eines nach dem anderen machen (kein Multitasking)
  • Dokumentation der Erfolge / Zielerreichung: Am besten sollten dann natürlich auch die bereits erreichten Ziele und Zwischenschritte schriftlich oder in einer Tabelle o. Ä. festgehalten werden.
Ich will nicht behaupten, dass ich in allem bereits perfekt wäre. Aber ich arbeite täglich daran, mein Selbstmanagement zu verbessern!

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Nanowrimo Bilanz 2012

Nanowrimo-Winner-2012-Banner


Vor 19 Tagen ging der diesjährige Schreibmarathon Nanowrimo zuende. Und pünktlich vor der Deadline habe ich diesmal auch - erstmalig, seitdem ich ihn mitmache - die 50000 Worte in diesem Monat geknackt.

Wie habe ich das geschafft?

Kurz und knapp: Indem ich meine ursprünglichen Pläne teilweise über Bord geworfen bzw. sie stark abgewandelt habe. So viel zum Thema Planung und Umsetzung, welche im Endeffekt doch oft divergieren können. ;-)

Und so kam es dazu:
Nach etwa einer Woche, bei der ich tapfer an meinem ursprünglichen Projekt, der Reiseerzählung, geschrieben hatte, merkte ich, dass mir dafür zeitweise der Elan verloren ging. Jedenfalls ging es nicht so schnell voran wie erhofft, zumal es sich ja um etwas 1:1 selbst Erlebtes handelt und mein Spielraum dabei naturgemäß beschränkt ist.
Um meine Motivation beim Schreiben zu erhalten, ist es aber für mich persönlich wichtig, dass ich einen kontinuierlichen Anreiz dazu habe. Dazu gehört für mich auch Abwechslung, sowie, dass ich an den Dingen weiterschreiben kann, nach denen mir jeweils ist. Das Schreiben soll mir ja auch Spaß machen, und ich will ab und zu auch mal von dem eigenen so Erschaffenen verblüfft werden! Dies erschien mir bei einem festgelegten Thema nicht hinreichend gegeben.
Und nachdem ich bei einem Write-In, das ich im Nano mittlerweile recht regelmäßig besuche, hörte, was für tolle Geschichten die anderen alle hatten, packte mich das Nano-Fieber. Ich dachte mir: Irgendwie fehlt mir bei meinem aktuellen Werk das richtige Nano-Feeling. So kann ich nicht kreativ sein! Ich brauche eine Idee, mit der ich ohne viel Vorab-Planung einfach loslegen und von der ich mich auch mal überraschen lassen kann!
Bald schon nahm der Krimi, zu dem mir einen Tag vor Beginn der Umsetzung erst spontan eine Idee gekommen war, immer mehr Raum ein - ich musste mir manchmal bewusst vornehmen, auch mal ein Kapitel weiter an dem ursprünglichen Projekt weiterzuschreiben.
Aber das war in Ordnung so! Denn ich sah, dass diese Kombination, dieses Konzept funktionierte!
Und letztendlich hat mich diese Entscheidung, an beiden Projekten zu arbeiten, auch zum Ziel geführt. :-)

Und wie geht es jetzt weiter?

Mit dem Krimi weiß ich noch nicht. Der wird wohl noch eine Weile vor sich hin schmoren oder auch reifen müssen. Nur so viel ist sicher: In dieser Fassung wird gar nichts mit ihm geschehen. Ob ich später noch einmal etwas daraus aufgreife oder mit der - nun etwas besser ausgearbeiteten - Idee mache, entscheide ich dann, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Jetzt ruht das Ganze erstmal.

Die Reiseerzählung wird natürlich beendet und irgendwann im nächsten Jahr (was ja nicht mehr so weit hin ist) als E-Book veröffentlicht. Nach Ende des Nano war ich ehrlich gesagt nicht sehr konsequent damit, aber im Dezember schwirren mir auch immer noch genug andere Dinge im Kopf herum, die mich davon ablenken.

Allgemeine Bilanz zum Nanowrimo 2012

Ich habe wieder viel gelernt, sowohl über meine Schreibe als auch was mir beim kreativen Schreiben hilft (und was eher nicht). Ich bin mal wieder froh, mich auf dieses "Abenteuer" eingelassen zu haben. Ganz besonders bin ich aber stolz darauf, dass ich endlich einen Weg gefunden habe, wie ich es schaffe, durchzuhalten.

Und ich habe gelernt, dass ich nicht chronologisch schreiben muss. Der Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven, Zeiten und Aspekten, ja sogar zwischen mehreren (nicht zu vielen, aber einer überschaubaren Zahl) Projekten kann der Kreativität und dem Schreibfluss sogar sehr förderlich sein!

Dennoch will ich beim nächsten Mal probieren, wie es ist, wenn ich bestimmte Dinge im Voraus plane, zum Beispiel will ich ein Grundgerüst besser ausarbeiten und schon einige Zeit im Voraus eine Idee weiter ausfeilen, so dass der Schreibfluss nicht durch irgendwelche zu recherchierende Details oder Ähnliches ins Stocken gerät. Ein gewisses Maß an Planung ist eben doch von Vorteil, jedoch möchte ich diese nach wie vor nicht übertreiben, um die Freude an meinem Werk zu behalten und spontanen Entwicklungen, die sich vielleicht als geniale Wendungen entpuppen könnten, den Raum zu geben, den sie verdienen.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Das richtige Maß an Planung

Wenn ich mir meinen Blogpost von vor längerer Zeit noch einmal anschaue, in dem es um die Frage ging: Planung beim Entstehen eines literarischen Werks - ja oder nein (und wenn ja, wieviel)? Dann muss ich feststellen, dass ich aus heutiger Sicht da wohl etwas korrigieren muss.

Inzwischen bin ich nämlich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich durchaus ein gewisses Maß an Planung brauche, ein Grundgerüst, an dem ich mich entlang hangeln kann und das mir zumindest grob den Weg weist, wohin sich eine Geschichte zum Beispiel entwickeln soll. Auch muss ich mir vor dem Schreibbeginn bei einer fiktiven Story über bestimmte Dinge im Klaren sein, wie etwa die Namen und grundsätzliche Merkmale der Hauptfiguren sowie wichtige Handlungsorte. Je nach Genre kann da natürlich noch ein Rechercheaufwand hinzukommen für Sachverhalte, die eine wesentlichere Rolle spielen und die ich daher vorher wissen sollte. Mindestens aber würde ich dabei aus heutiger Sicht einen einfachen Plot ausarbeiten. Wenn dann eventuell Neben- und Subplots auf dem Weg auftauchen sollten und das passt, dann ist das eben so. Was ich damit mache, kann ich später - das Große Ganze im Blick - immer noch entscheiden. Raum für weitere und auch unvorhergesehene Entwicklungen oder wenn nötig Änderungen beim Aufbau möchte ich mir in dem Maß, in dem ich die Planung brauche, schon lassen. Deshalb plane ich auch nicht alle Details, sondern gerade so viel, wie ich benötige, damit die Geschichte vorwärts kommt und ich mich nicht beim Schreiben zu langweilen beginne oder frustriert bin, weil alles in der Luft hängt und ich nicht weiß, wie ich den Erzählbogen wieder in eine spannendere und zielführende Richtung spannen soll.

Bei Kurzgeschichten kann ich durchaus mit einer Grundidee im Kopf starten, wenn ich gerade inspiriert bin und nicht zu lange warte, bis ich sie aufschreibe. Bei längeren Werken hingegen geht es bei mir nicht ohne Planung, da ich sonst irgendwann stecken bleibe und die Lust daran verliere. Dafür sind manche Ideen aber zu schade - ich habe schon genug Plotideen damit sinnlos verpulvert, die ich am Ende nicht zuendegeführt habe und die nun auf der Festplatte verstauben. Vielleicht kommt für die eine oder andere Idee noch einmal die Zeit, wo ich sie noch einmal neu aufgreife und ganz von vorne - MIT entsprechender Planung - damit beginne. Deshalb lösche ich sie auch nicht. Deshalb, und weil ich nicht etwas, in das ich doch einiges an Zeit investiert habe (Freizeit zwar, eine Zeit, die ja auch Spaß gemacht hat, aber immerhin) einfach so auf Nimmerwiedersehen vernichten will. Da hängt ja schon einiges dran. Außerdem sind diese unvollendeten Werke auch für mich sehr lehrreich, wenn es darum geht, herauszufinden, was ich besser machen kann als früher. Und warum diese Geschichten letztendlich nicht funktionierten, weshalb ich sie an die Wand gefahren habe.

Ein Grund hierfür war eben oftmals auch die mangelnde Planung. Einfach weiterschreiben und dabei irgendwelchen Unsinn hinzufügen, nur weil mir nichts Adäquateres einfällt, das wäre nicht mein Ding. Auch nicht bei Nanowrimo oder sonstigen von mir gesetzten ehrgeizigen Zielen. Die Rohfassung ist ja immer zunächst genau dies: Eine Rohfassung. Hingegen braucht es Zeit und ausreichend Redigierarbeit danach, bis ein Werk völlig ausgereift ist.

Also gilt für mich: Plot ja, eine ausführlichere Outline nicht unbedingt und schon gar nicht in sämtlichen Einzelzeiten. Das wäre wiederum in meinem Fall kontraproduktiv.

Aber ich bin, was das genaue Maß an Planung betrifft, noch immer nicht an dem Punkt angelangt, wo ich das für mich perfekte "Rezept" gefunden hätte. Wie gesagt kommt es dabei darauf an, was ich schreiben möchte. Ich gehe dabei bis jetzt intuitiv vor und lerne, was für mich klappt und wo eventuell noch Verbesserungspotential ist.

Bei meinem diesjährigen Nano-Projekt ist es übrigens besonders einfach. Es handelt sich um ein Werk, welches ich mir schon vor einigen Jahren vorgenommen habe zu schreiben. Hierbei muss ich mir überhaupt nichts aus der Nase ziehen. Es ist aber auch ein Werk, mit dem ich mich bei den Nano-Rebels einreihen kann (weil es zu einem erheblichen Prozentsatz Non-Fiction ist). Jedenfalls freue ich mich drauf! Und ich sehe dem Ergebnis ebenfalls positiv entgegen. Noch einen Tag, 8 Stunden und eine gequetschte...

Dienstag, 31. Mai 2011

Perfektionismus und Die Kunst, viele Facetten unter einen Hut zu bringen

Ein Grund, weshalb ich weniger schreibe, als ich eigentlich könnte, und warum ich auch nicht immer zu allem sofort mein Statement abgebe (sondern eventuell erst später - es sei denn, das Thema hat sich erledigt), ist, dass ich sehr perfektionistisch bin. Was ich von mir gebe, soll Hand und Fuß haben, möglichst fundiert und gut überlegt sein. Manches muss auch erst reifen, und im Verlauf dieses Reifeprozesses kommen vielleicht noch weitere Aspekte hinzu, die das Gesamtbild noch mehr komplettieren. Ich mag keine (womöglich) aus dem Zusammenhang gerissenen Fragmente abgeben, die sich im nächsten Moment schon wieder selbst wiederlegen oder zumindest nicht mehr als Puzzlestück ins Gesamtbild passen könnten. Ich möchte zuerst das Ganze sehen, oder zumindest einen größeren Überblick haben, bevor ich mich in der Lage fühle, mich kompetent zu etwas zu äußern. Dieser Anspruch bedingt zwangsläufig, dass ich für komplexere Themen Zeit brauche, und diese nehme ich mir dann auch, will mich da auch nicht unter Druck setzen, da ich mit dem jeweiligen Ergebnis auch zufrieden sein möchte.

Diesen perfektionistischen Anspruch habe ich übrigens auch bei kreativeren (literarischen) Texten. Das mag sich zunächst wie ein Widerspruch zu meinem vorigen Post anhören, ist aber eigentlich keiner. Denn auch bei Ideen für Geschichten (wenn ich mal wieder in einer Phase bin, wo solche sprudeln - momentan ist dies schon lange nicht so, kann aber noch irgendwann wiederkommen, ich möchte da auch nichts auf Biegen und Brechen erzwingen, zumal ich mir ja dann auch die Zeit und Muße für die Umsetzung nehmen muss) u. Ä. muss mir die Idee, das Große Ganze, schon ziemlich klar vor Augen sein, damit ich es motiviert angehe und auch bis zum Schluss durchhalte. Keine halben Sachen. Was hingegen die Details angeht, die fügen sich dann auf dem Weg nach und nach zusammen. Diese Einzelheiten sind es, die bei mir im kreativen Prozess spontan entstehen. Aber das Grundgerüst muss stehen!

Doch zurück zum Beispiel mit den Sachthemen. Wenn ich beispielsweise erwäge, meinen Senf zu einem Thema abzugeben, tue ich das in der Regel erst dann, wenn ich genug Infos beisammen habe, um diese zu untermauern. Ist meine Argumentation nicht lückenlos, fürchte ich oft, dass irgendjemand schon meine Achillesferse bei der jeweiligen Sache bemerken wird - und das wäre peinlich.

Beispiel EHEC: Schreibe ich, dass ich weiterhin Gemüse esse, könnte ich möglicherweise als Ignorantin oder als fahrlässig beschimpft werden. Dass ich dennoch mehr aufpasse, woher das verwendete Gemüse stammt, und zurzeit vorzugsweise gekochtes Gemüse verzehre (mal von den Tomaten abgesehen - den letzten Salat hatte ich bereits vor dem Lebensmittelskandal mit diesem Bakterium gekauft), gerät dann vielleicht schnell in den Hintergrund. Ebenso, dass ich ohnehin schon eine umgängliche Art und Weise, mit Rohkost umzugehen, pflege - also auch vor den klugen Ratschlägen des Robert-Koch-Institutes diese frischen Dinge sowie meine Hände stets gut abgewaschen habe - gerät dann eventuell aus dem Blickfeld.
Würde ich hingegen umgekehrt auf die Opfer verweisen, die nun einmal zweifellos sehr unter den Folgen leiden - blutiger Durchfall und eine Schädigung der Nieren sind nun einmal kein Pappenstiel - und es in einigen Fällen sogar nicht überleben, dann könnte mir hingegen Panikmache vorgeworfen werden, auch wenn ich tausendfach bekräftigen würde, dass ich die Sache nüchtern zu betrachten versuche und mir daher nichts ferner liegt als Panik.
Wie auch immer es also gedreht wird: Beide Arten, ein Statement darzulegen, bergen Fallstricke und zeigen eben nur jeweils eine Seite der Medaille. Wie lege ich es aber dar, wenn meine Sicht der Dinge irgendwo dazwischen liegt und ich beide Perspektiven in Einklang bringen will? Und zwar, ohne dass es widersprüchlich klingt?

So wie in diesem Beispiel gibt es bei den meisten Themen verschiedene, teils polarisierende, Standpunkte, und ich will halt so viel wie möglich dabei berücksichtigen. Ich weiß, manchmal ist es durchaus besser, "Mut zur Lücke" zu beweisen, denn wenn nicht alle Aspekte abgedeckt sind, bleiben immerhin mehr Punkte zur Diskussion offen. Im ungünstigeren Fall wird man mich korrigieren - doch selbst dann habe ich im Grunde nichts zu verlieren, sondern nur dazuzulernen. Denn perfekt bin ich nun einmal nicht, daran ändern auch keine Versuche, so nah wie möglich an die Perfektion zu gelangen. Fehler können auch im Versuch, alles perfekt zu machen, geschehen. Es schadet also nicht, das Ganze etwas entspannter zu nehmen und einfach mal zu machen. In Verschiedenem. In jedem Fall ist es eine Übung. Und nur Übung macht den Meister - nicht immer nur (und möglicherweise zu lange) abwarten und schweigend Tee trinken.

Dienstag, 17. Mai 2011

Planer vs. Spontane - Zwei verschiedene Schreibertypen

Es gibt Schreiberlinge, die sprudeln nur so vor Ideen für Geschichten, die zu Papier gebracht werden wollen. Dann planen sie an allen Ecken und Kanten den gesamten Handlungsverlauf und jedes Detail durch und setzen diese Pläne beim Schreiben schnurstracks um. Und wenn dann überraschend mal ein Charakter etwas anderes will als sie oder die Story plötzlich die Richtung zu ändern "droht", ärgern sie sich möglicherweise darüber - eben weil das ja ihre Pläne maßgeblich durcheinanderbringt.

In manchen Momenten wünsche ich mir, das würde auch bei mir so klappen. Doch dann wird mir auch wieder die Kehrseite davon bewusst, und ich bin letztendlich froh, dass meine Kreativität eher wie die anderen gestrickt ist und so besser fließen kann:

Die zweite Gattung in der Schreibergilde ist nämlich die, die nur wenig plant. Diese Autoren haben oft nur eine vage Grundidee im Kopf (und natürlich idealerweise die Figuren und einen Handlungsort), an der sie sich orientieren und die eine Art roter Faden bildet, um den herum sich eine Geschichte spinnen wird. Der Schreibprozess entwickelt sich jedoch weigehend spontan, überraschende Wendungen sind hier naturgemäß kein Hindernis, sondern im kreativen Prozess sogar willkommen, da sie der Story neuen Schwung und Impulse geben können. Alles kann, nichts muss, ist die Devise dieser Art von Autor, und er ist dabei selbst eher ein Reisender auf dem Weg, den er protokolliert, als (wie die andere Schreibergattung) ein Schöpfer, dessen Figuren wie Marionetten an seinen Fäden hängen und sich kaum frei bewegen dürfen. Angehörige dieser letzteren Schreibergattung befinden sich beim Schreiben auf Augenhöhe mit ihren Charakteren und dem Geschehen, sind eine Art Mentor für ihre Protagonisten, die ihnen einen entscheidenden "Schubs" geben können, wenn es sein muss, die Zügel aber eher lockerer lassen, damit die Figuren auch eine Chance haben, sich zu entfalten.

Ich gehöre wie gesagt zur letzteren Sorte. Wenn ich eine Idee habe und inspiriert bin, dann stelle ich höchstens einen groben Grundriss zusammen, einen Rahmen, innerhalb dessen sich etwas entwickeln kann und der genug Freiräume gibt. Beim Schreiben wird dann nach und nach vieles immer klarer, und viele Details entwickeln sich spontan. Ich muss dann aber auch Lust dazu haben - und bis zum Ende durchhalten, ohne die Geduld mit meinem Werk und mit mir als Autorin zu verlieren. Längere Werke, die nicht schnell genug auf den Punkt kommen, waren für mich daher schon seit jeher eine Herausforderung. Insofern ist es auch kein Wunder, dass meine Nanowrimo-Werke bis jetzt immer unvollendet blieben.

Rückblickend frage ich mich auch, was aus meinem Science-Fiction-Roman damals in meiner späteren Jugend geworden wäre, wenn ich nur am Ball geblieben wäre. Er war mit weit über 100 Seiten mein längstes Werk, das ich jemals zustande gebracht habe. Sicher hätte anschließend jede Menge stilistisch korrigiert und wahrscheinlich auch gekürzt werden müssen... Auch inhaltliche Sachen hätte ich wohl im Nachhinein ändern müssen... Alles in allem aber denke ich schon, dass daraus am Ende etwas Fertiges hätte werden können, mit dem ich hätte zufrieden sein können. Und wenn's Jahre gedauert hätte.

Doch leider habe ich ihn nur noch in ausgedruckter Form und nicht mehr als Datei vorliegen und müsste daher alles neu tippen... oder einscannen, sobald ich einen vernünftigen, zeitgemäß schnellen Scanner hätte.

Wer weiß? Vielleicht inspirieren mich die damaligen Zeilen irgendwann wieder, es noch einmal mit so einer Thematik zu versuchen? Dann hätte das Ganze doch noch einen Sinn gehabt. Ich könnte ihn ja mal als Vorbereitung für den nächsten Nanowrimo nochmals lesen - und ihn dann in optimierter und weniger pubertär-kitschiger und von allen Schnörkeln bereinigter Form beim Nano noch einmal schreiben. Mal sehen, was dabei herauskäme...

Dienstag, 10. Mai 2011

Nur Redenden kann geholfen werden. Doch gibt es für alles die richtigen Worte?

Jeder kennt dieses Sprichwort und wird dabei sicherlich auch an einige Beispiele denken, in denen es sich im Alltag bewahrheitet. Normalerweise dürfte es bei den meisten alltäglichen Dingen kein Problem sein, darüber zu sprechen. Zwar fällt es manchen Menschen tatsächlich schwer, selbst Hilfe anzunehmen, die wirklich benötigt wird, weil etwas alleine nicht oder nicht vollständig geschafft werden kann - letztendlich kann man aber auch dies lernen und sich im akuten Fall überwinden. Das ist zwar ein Entwicklungsprozess, der durchaus seine Zeit in Anspruch nehmen kann, aber es ist - wenn man es wirklich will und etwas daran tut - machbar.

Natürlich gibt es auch von außen aufgezwungene Hilfe, welche im Grunde von dem Betreffenden nicht gewünscht und benötigt wird, ihm vielleicht sogar fälschlicherweise suggeriert, er wäre zu einer Sache nicht selbst fähig, was im Gegenzug nicht gerade aufbauend ist. Diese braucht selbstverständlich auch nicht angenommen zu werden, und wenn diese höflich abgelehnt wird, wird sicherlich auch niemand böse sein (ansonsten wäre ein so eine Art von Hilfe anbietender Mensch ein falscher Freund und jemand, von dem sich der Adressat dieser unfreiwilligen Hilfe zu seinem eigenen Seelenwohl nach Möglichkeit besser distanzieren sollte). Von dieser Art von - alles andere als konstruktiver - Hilfe soll hier nicht die Rede sein.

Aber was ist beispielsweise, wenn ein Mensch in einer Situation ist, die er nicht in Worte fassen kann? Ich denke da zum Beispiel an Menschen, die plötzlich erfahren, dass sie an einer schlimmen Krankheit leiden, und für die der Schock entsprechend in dem Moment so unaussprechlich ist, dass sie ihre Lage und ihre Empfindungen dazu (die ja nun auch durch den "Schlag" so vielfältig sind, dass sie erstmal sortiert werden müssen) nicht kommunizieren können?

In dem Zusammenhang fällt mir wieder meine Mutter ein. Bis zu ihrer Krebserkrankung bzw. der Kenntniserlangung dieser war sie ein recht sozialer und familiär eingestellter Mensch gewesen. Sie hatte Freunde und Bekannte, hielt den Kontakt zu anderen Familienmitgliedern und lud diese auch regelmäßig (also im normalen Umfang) nach Hause ein. Auch richtete sie zum Geburtstag und den anderen üblichen Terminen - Weihnachten wurde in meiner Kindheit bis zu ihrer Erkrankung stets bei uns ausgerichtet - diese Feiern bei uns zu Hause aus. Man kann also wirklich nicht sagen, dass sie unkommunikativ gewesen wäre.

Nur, was ihre eigenen Probleme betraf, hat sie nie großartig darüber geredet und solche Themen wenn überhaupt ziemlich knapp gehalten, auf die wesentlichen Infos reduziert. So wusste nach der Krebserkrankung auch fast niemand in der Familie - im gesamten unterstützenden Umfeld - wie ernst es wirklich um sie stand. Man wusste von der Chemotherapie, dem Ärztemarathon, den Kuren und was noch alles in diesem Rahmen anstand - aber wie schlecht es meiner Mutter dabei wirklich ging, ahnte man nicht. Weil sie nicht darüber redete. Vermutlich hat sie versucht, alles mit sich selbst auszumachen, und fürchtete wohl auch, sonst jemandem zur Last zu fallen. Beides durchaus nachvollziehbare Motive, die aber in so einer Situation eben nicht weiterhelfen.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob überhaupt gezielt nachgefragt wurde. Klar ist es ein schwieriges Thema, dem sich andere, die nicht gerade davon betroffen sind, nicht gerne stellen. Andererseits kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass man damals überhaupt nichts von ihrem Leid bemerkt hat - man musste es doch in ihrem im Verlauf der Krankheit immer bleicher gewordenen Gesicht gesehen haben!

Unterstützung in praktischen Dingen bekam sie wie gesagt. Wie es ihr aber ging, und wie es tatsächlich bereits um sie stand, dass wusste keiner. Umso schockierender war dann für alle ihr Tod. Hätte sie mit den nahe stehenden Personen über ihre Befindlichkeit geredet, hätte das zwar am Ernst der Lage wahrscheinlich nichts ändern können - aber es wäre vielleicht für sie eine Erleichterung gewesen. Womöglich hätte sie dann die Krankheit auch besser annehmen und den verbleibenden Rest ihres Lebens unbeschwerter (ich meine, so gut es eben gegangen wäre) leben können.

Doch dafür hätte sie eben die passenden Worte für das Unaussprechliche finden müssen...

Sonntag, 20. März 2011

Das Samenkorn

Ich fand es auf einem Spaziergang im Wald. Da lag es auf dem Weg, als wollte es mir etwas sagen. Mit dem Vorhaben, es zu Hause einzupflanzen, zu hegen und dann zu sehen, ob daraus etwas wächst, las ich es auf. Während ich weiterwanderte und meine Gedanken so umherschweiften, fand ich langsam in meine eigene Mitte zurück.

Ein Samenkorn... welch schöne Allegorie für etwas, das aus etwas winzig Kleinem entsteht. Ursprung von allem Lebendigen - im weiteren Sinne auch der Ursprung von etwas Schöpferischem, und der Lebensgestaltung an sich. Alles beginnt im Kleinen, wird durch etwas Kleines ausgelöst.

Samenkorn

Doch um das Samenkorn wachsen zu sehen, braucht es Geduld. Es dauert nun einmal, bis daraus eine vollwertige Pflanze wird, die ihre volle grüne Pracht dem Tageslicht präsentiert.

Genauso ist es auch bei allen von Menschen geschaffenen Werken. Auch deshalb ist es gut, dass ich das echte Samenkorn mitgenommen habe: Um mich daran zu erinnern, dass alles seine Zeit braucht. Dass ich viel Geduld aufbringen muss und nichts - zumindest nicht die großen Dinge - von heute auf morgen geschaffen wird.

Mein Samenkorn hat erstmal seinen Platz in einem Blumentopf mit Erde auf einer ausreichend sonnigen Fensterbank gefunden. Es wird regelmäßig gegossen werden, und wenn es wächst, wird es jeweils die passende Umgebung dafür bekommen, sprich bei Bedarf auch umgetopft werden und schließlich vielleicht auch wieder nach draußen kommen.

Samstag, 19. März 2011

Das Leben und das Schreiben

Beides beeinflusst einander. Und manchmal bin ich gezwungen, mich für das Eine oder das Andere zu entscheiden. Beziehungsweise das Leben und der Alltag setzt seine eigenen Prioritäten, lässt dabei wenig Freiraum für kreative Entfaltungen und eben solche Produktivität aller Art.

Dazu müssen auch die Ideen da sein. Denn diese kommen - zumindest bei mir - keineswegs auf Knopfdruck. So funktioniert das nicht, dass ich einfach "Zack!", Schreibidee komm heraus, rufe und schon kommt sie angeflitzt. Im Gegenteil brauchen Ideen genug Raum, sich zu entwickeln... Und diesen Raum muss ich ihnen zwischen all diesen alltäglichen Verrichtungen, wichtigen zu machenden Zielsetzungen und Überlegungen, aber auch unvorhergesehenen Belastungen, zum Beispiel aus dem Umfeld, geben.

Dies erfordert durchaus ein gutes Zeitmanagement und mitunter einiges an Selbstdisziplin. Zum Thema Tagesstrukturierung habe ich hier schon einmal meine Gedanken aufgeschrieben. Ich kann es nicht oft genug wiederholen und mein Bewusstsein dafür aufrecht erhalten.

Vielleicht wäre es gut, wenn ich mir jeden Tag einen bestimmten Zeitraum nur zum Schreiben nehme. In dem ich einfach aufschreibe, wonach mir gerade der Sinn steht. Das schafft zum Einen eine Art klarerer Struktur im Kopf (schließlich beginnt Struktur zunächst einmal im Kopf, bevor sie ihren Weg nach draußen findet). Zum Anderen hat es den Effekt, dass ich im Schreibfluss bleibe. Und zwar auf meine, auf natürliche Weise. Es ist grundlegend wichtig, dass ich in meinem Rhythmus schreibe und die optimale Balance dabei für mich auch finde.

Ich werde es mir zur Gewohnheit machen, täglich etwas zu schreiben, was mir gerade im Kopf herumschwirrt / mich beschäftigt. Egal, ob es sich um ein Onlinethema oder einen reinen Offlinetext nur für mich handelt, und ohne Beschränkung auf eine Textart. Ist gerade ein sachliches Thema für mich akut, schreibe ich darüber.

Kreative Texte ergeben sich auf natürliche Weise, ein Einfall kann plötzlich kommen und sich dann weiterentwickeln - aber mir da irgendetwas aus der Nase ziehen oder eine ZU gute Idee vergeuden, das möchte ich auch nicht und würde zu nichts Richtigem führen.

Dann lieber eine Idee so lange ruhen lassen, bis sie noch weiter aufgegangen ist wie ein Kuchenteig, dessen Geschmacksnuancen sich erst noch mit der Zeit entfalten müssen. Das Aufgehen kann unter Umständen begünstigt werden, indem ich möglichst viel aus dem Leben mitnehme, mir auf verschiedene Weise Inspiration hole, und zwar, ohne irgendwelche Ideen erzwingen zu wollen. Sondern einfach, indem ich offen durchs Leben gehe und im Rahmen meiner Interessen schaue, welche Erfahrungen ich noch alles machen kann.

In der Zwischenzeit kann ich dann kleinere Brötchen backen, sprich mich kleineren Projekten widmen, bei denen ich meist auch schneller irgendein Ergebnis vor mir sehe. Das motiviert mich oft auch eher.

Wer weiß? Vielleicht lässt sich so auch genug schöpferische Kraft und Motivation sammeln, um irgendwann dann auch etwas Größeres umzusetzen?

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